Pippin Barr vs. Game Studies

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Hier bei united-play.de sind wir immer auf der Suche nach neuen, interessanten und vor Allem ungewohnten Ideen. Pippin Barr ist dabei jemand der sein Leben der künstlerischen Entfaltung hingibt. Vor einigen Jahren traf ich ihn in Köln am Cologne Game Lab, wo er einen Vortrag hielt. Er zeigte seine verrücktesten interaktiven Kunstwerke.
Viele davon sollte man für Monate, Jahre, sogar Jahrzehnte laufen lassen, bevor überhaupt irgendwas passiert. In seiner Adaption von “The artist is present” von Performance Artistin Marina Abramovic lässt den Spieler stundenlang in der Schlange stehen. Diese Schlange wird auch wirklich kürzer, aber nur sehr langsam. Wenn man im falschen Moment nicht hinschaut und nicht aufrückt, überholen einen die hinterstehenden Gäste einfach und man wird wieder ans Ende der Schlange gesetzt. Das kann man nicht mehr “Unterhaltungsmedium” nennen – das ist Kunst.

Während Pippin Barr ein Extremfall der Game Development Szene – also die reinen Künstler – darstellt (wo er ganz sicher nicht alleine steht), gibt es auf der anderen Seite das Extrem der reinen Analysten – der Wissenschaftler. Hier geht es nicht darum Spiele zu erstellen, sondern zu versuchen zu verstehen, was Videospiele ausmacht.

Und nun macht Pippin Barr ein neues interaktives Werk, in dem die Theorien eben jener Wissenschaftler erklärt werden sollen. “Game Studies” heißt das ganze und kann hier gespielt werden.

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Das Werk ist sehr simpel gehalten. Per Klicken mit der Maus, wird ein Anzug-tragender Mann von der einen Seite des Bildschirms zur Anderen gesteuert. Auf dem Weg wird eine von fünf Game Studies Theorien aufgegriffen. Diese sind dabei sehr stark vereinfacht und jemand, der vorher nicht davon gehört hat, wird hier nicht viel darüber lernen.
Dennoch bleibt die Frage, was Pippin Barr hier aussagen möchte. Seit einiger Zeit geht in der Game Studies Szene die Meinung umher, man müsse die “Schisms of Game Studies”, also die Grenzen zwischen den verschiedenen Lagern, sowohl innerhalb der Gruppe der Wissenschaftler selbst, aber auch hin zu den eigentlichen Entwicklern überwinden.
So könnte Pippin Barr ebenso dafür werben, sich gegenseitig anzunähern. Auf der anderen Seite könnte er aber auch durch die versimpelte Darstellung der Theorien auf eine Überflüssigkeit der Wissenschaft hindeuten, wie einige andere Nachrichtenseiten titeln.

Am Ende bleibt jedoch die Gewissheit das die Aussage des Kunstwerks nicht unbedingt explizit sein muss, sondern einfach zum Nachdenken anreizen soll und so lässt uns Pippin Barr mit der Frage stehen, welche Rolle Game Studies und die Künstler für die Zukunft der Game Development Szene in Zukunft haben werden.